Über das ICRS 2020

"Die ICRS 2020 ist deswegen so wichtig, weil wir uns in einer tiefen Korallenriffkrise befinden, wahrscheinlich die tiefste Korallenriffkrise in der gesamten Erdgeschichte. Wir erleben eine Veränderung die rasend stattfindet. Umso wichtiger ist der Dialog zwischen Wissenschaftlern, Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern. Die Weltkorallenriffkonferenz ist die größte Plattform für diesen Dialog und dazu kommt, dass diese ICRS 2020 die erste Weltkorallenriffkonferenz sein wird, die in Europa stattfindet. Es ist an der Zeit, dass Europa Verantwortung dafür übernimmt, dass es über die Emissionen von Treibhausgasen zur Schädigung und zum Abbau der Korallenriffe beiträgt. Insbesondere da Europa von den Serviceleistungen, die Korallenriffe uns allen bieten, auch profitiert. Z.B. durch die hohe Biodiversität, die für die Herstellung von neuen Medikamenten und anderen Industrieprodukten von großer Bedeutung ist."

Prof. Dr. Christian Wild, Conference Chairman des ICRS 2020, Universität Bremen

 

"Diese Symposien sind mit Abstand die wichtigsten Weltkonferenzen, die sich mit den Ökosystemen der Korallenriffe beschäftigen. Sie haben eine 50-jährige Geschichte. Das erste internationale Korallenriff Symposium fand 1967 statt. Sie finden wie die Olympischen Spiele alle vier Jahre statt und werde durch die internationale Korallenriffgesellschaft vergeben. Wir erwarten 2500 bis 3000 Teilnehmer aus mehr als 90 Ländern. Die meisten von Ihnen sind Wissenschaftler, aber auch Vertreter von Institutionen, Küstenmanager, Journalisten/innen und politische Entscheidungsträger."

Prof. Dr. Christian Wild, Conference Chairman des ICRS 2020, Universität Bremen

 

"Die ICRS 2020 in Bremen ist die Gelegenheit die internationale Forschung und international anerkannte Wissenschaftler zu dem Thema Korallenriffe zusammenzubringen, um sich auszutauschen.“

Gertraud Schmidt-Grieb, Ph, Alfred-Wegener-Institut Helmholz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

 

"Die Korallenriffkonferenz 2020 in Deutschland ist deshalb so wichtig, weil es für die deutsche Bevölkerung um ein Thema geht, das in ihrem Alltag nicht so häufig vorkommt. Ich denke, dass wir mit dieser Konferenz Interesse und Aufmerksamkeit für die Korallenriffe generieren, insbesondere bei jungen Menschen, die lernen können, die erfahren können, was vor unseren Augen mit den Korallenriffen passiert."

Dr. Götz B. Reinicke, Kurator für Meeresökologie –  Hohltiere, Weichtiere und Stachelhäuter, Deutsches Meeresmuseum Stralsund

 

"Die Bedeutung der Riffkonferenz liegt darin, dass sie alle paar Jahre uns Wissenschaftlern die Gelegenheit gibt, mit der Gesellschaft zu interagieren. Für uns Wissenschaftler, die von der Gesellschaft den Auftrag haben zu forschen und von ihr dafür bezahlt werden, ist es wichtig, unsere Ergebnisse auch zu kommunizieren und nicht unter uns zu bleiben. So ein Treffen alle paar Jahre gibt natürlich eine ideale Möglichkeit uns auszutauschen, aber ebenfalls den neuesten Stand der Forschung der Gesellschaft zu präsentieren und mit der Öffentlichkeit zu diskutieren.“

Dr. Sebastian Ferse, Riffökologe und Executive Director von Future Earth Coasts

 

"Wir haben das große Ziel, dass wir auf allen Ebenen versuchen, die zwangsläufig durch die Veranstaltung entstehenden Kohlendioxidemissionen zu kompensieren.  Wir versuchen ein Konzept zu realisieren, das CO2 - Emissionen, die hier vor Ort durch die Konferenz anfallen, reduziert. Eine Möglichkeit sind z.B. Gerichte aus lokal erzeugten Lebensmitteln unter Vermeidung von solchen Zutaten wie Rindfleisch, die besonders viel Co2 freisetzen. Co2 - Emissionen, die wir nicht vermeiden können, möchten wir über die Renaturierung von Feuchtlandschaften mit Hilfe des Bremer Klimafonds und regionalen Partnern wie Energiekonsens kompensieren. Darüber hinaus möchten wir auch die Emissionen, die durch die Reisen der Teilnehmer entstehen, kompensieren und arbeiten dazu mit Ökoenergieanbietern zusammen"

Prof. Dr. Christian Wild, Conference Chairman des ICRS 2020, Universität Bremen

Die Bedeutung der Korallenriffe

"Der Küstenschutz von 109 Ländern wird von Korallen gemacht." 

Prof. Dr. Helmut Schuhmacher, ehemaliger Direktor des Instituts für Ökologie, Universität Essen

 

"Intakte Steinkorallen reduzieren 97% der Wellenenergie und 84% der Wellenhöhe. Dies ist eine kritische Ökosystemdienstleistung, die verschwindet, wenn Korallen zerstört werden oder absterben… Es gibt neue Berechnungen, nach denen intakte Riffe die Schäden von Sturmfluten um über 50% reduzieren können." 

Dr. Sebastian Ferse, Riffökologe und Executive Director von Future Earth Coasts

 

"Es gibt momentan 13 zugelassen Medikamente mit Wirkstoffen aus Riffen. Der Regenwald wird manchmal als die Apotheke der Natur dargestellt, doch sehr viel effizienter sind die Wirkstoffe aus dem Meer. Von ihnen schafft es ein viel höherer Anteil auf den Markt und in die Anwendung, z.B. in der Krebstherapie. Diese Wirkstoffe werden wir verlieren, wenn wir die Biodiversität in den Riffen verlieren."

Dr. Sebastian Ferse, Riffökologe und Executive Director von Future Earth Coasts

 

"Die Vielfalt an Nischen ist die Ursache für die hohe Biodiversität."

Prof. Dr. Helmut Schuhmacher, ehemaliger Direktor des Instituts für Ökologie der Universität Essen

 

"Nach Schätzungen hängen insgesamt rund eine halbe Milliarde Menschen direkt oder indirekt von verschiedenen Dienstleistungen, die Riffe für uns erbringen, ab."

Dr. Sebastian Ferse, Riffökologe und Executive Director von Future Earth Coasts

Die Korallenriffkrise

„In der Karibik sind in den letzten 40 Jahren 80% der Korallenbestände verloren gegangen.“ 

Dr. Götz B. Reinicke, Kurator für Meeresökologie –  Hohltiere, Weichtiere und Stachelhäuter, Deutsches Meeresmuseum Stralsund

 

"Das erste Mal wurde 1983 über eine lokale Korallenbleiche publiziert. Sie wurde 1982-1983 auf den Galapagosinseln beobachtet. Die erste globale Korallenbleiche 1997/98 war der Auslöser dafür, dass ein australischer Kollege mit den verfügbaren Daten ein Gutachten erstellt hat und versuchte die Zukunft dieser Bleichereignisse zu prognostizieren. Er sagte voraus, dass wir voraussichtlich bis 2050 jährlich solche globalen Bleichereignisse bekommen, die alle tropischen Gebiete betreffen."

Dr. Götz B. Reinicke, Kurator für Meeresökologie –  Hohltiere, Weichtiere und Stachelhäuter, Deutsches Meeresmuseum Stralsund

 

"Offiziell war die Bleiche im Großen Barriere Riff 2016 das größte dramatische Ereignis, das beobachtet wurde. 30 % sind damals verloren gegangen. Im Jahre 2017, ein Jahr später sind es noch einmal weitere 20% gewesen, so dass in den vergangenen drei Jahren im großen Barriere Riff ungefähr knapp 50% der Korallenbestände verloren gegangen sind...Die Korallen können sich regenerieren. Das Potential ist vorhanden… Aber wenn sie originäre Riffgemeinschaften wiederherstellen wollen, in denen zum Teil Jahrzehnte alte Kolonien stehen, dann müssen Sie eben auch mehrere Jahrzehnte warten bis eine solche originäre Riffgemeinschaft sich regeneriert. Diese Zeit steht jedoch den langsam wachsenden Korallen heute leider selten noch zur Verfügung, weil zu viele äußerliche Störfaktoren eine Rolle spielen."

Dr. Götz B. Reinicke, Kurator für Meeresökologie –  Hohltiere, Weichtiere und Stachelhäuter, Deutsches Meeresmuseum Stralsund

 

"Der Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen führt im Meer zu einer Erwärmung und einer Ansäuerung. Steinkorallen, die Riffe bilden, reagieren darauf sehr sensibel. Die Erwärmung löst oft die gefürchtete Korallenbleiche aus, während die Ansäuerung die Bildung von Riffstrukturen aus Kalk durch Korallen stark erschwert. Der hohe CO2-Ausstoß beinhaltet für die tropischen Korallenriffe demnach gleich zwei Bedrohungen. Daher könnte es in der Zukunft sogar zum Verlust dieser Ökosysteme kommen."

Prof. Dr. Christian Wild, Conference Chairman des ICRS 2020, Universität Bremen

 

"Ich stelle mir vor, dass am Ende des Jahrhunderts ein Riff so aussieht: Nur noch ein Haufen Kalksand und Kalkgeröll. Warum? Durch die Ansäuerung des Meerwassers durch Co2. Das CO2, das in den nächsten 10 oder 20 Jahren von den Ozeanen aufgenommen werden wird, haben wir jetzt schon in der Atmosphäre."

Prof. Dr. Helmut Schuhmacher, ehemaliger Direktor des Instituts für Ökologie, Universität Essen

 

"Wir hatten in der Erdgeschichte fünf Riffkrisen, die wir daran erkennen, dass wir über einige Hunderttausend Jahre keine Skelettablagerung haben. Die Korallen haben diese Krisen als sogenannte nackte Korallen ohne Skelett überlebt. Aber jetzt steht die sechste Riffkrise bevor und mein großes Anliegen ist, auf die schleichende Versauerung der Ozeane hinzuweisen, die nicht so wahrgenommen wird, wie die Korallenbleichen."

Prof. Dr. Helmut Schuhmacher, ehemaliger Direktor des Instituts für Ökologie, Universität Essen

 

"Der Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen führt im Meer zu einer Erwärmung und einer Ansäuerung. Steinkorallen, die Riffe bilden, reagieren darauf sehr sensibel. Die Erwärmung löst oft die gefürchtete Korallenbleiche aus, während die Ansäuerung die Bildung von Riffstrukturen aus Kalk durch Korallen stark erschwert. Der hohe CO2-Ausstoß beinhaltet für die tropischen Korallenriffe demnach gleich zwei Bedrohungen. Daher könnte es in der Zukunft sogar zum Verlust dieser Ökosysteme kommen."

Prof. Dr. Christian Wild, Conference Chairman des ICRS 2020, Universität Bremen

Lösungsansätze zur Erhaltung der Korallenriffe

"Solitone (Solitone sind Wellenpakete, die keine Energie mit anderen Wellenpaketen austauschen – sie bringen in vielen Gebieten kühleres Tiefenwasser zu den Korallen-Anmerkung Heinz Krimmer)  sind weltweit verbreitet und bieten mögliche Rückzugsorte für Korallenriffe – vor allem im Coral Triangle, dem globalen Zentrum der marinen Biodiversität. Viel Forschung geht im Moment in diese Richtung, um zu prüfen, ob diese Gebiete vielleicht in einem gewissen Maße Refugien darstellen könnten, in denen auch sensiblere Korallen eine Chance haben, den Hitzephasen standzuhalten.“

Gertraud Schmidt-Grieb, Ph, Alfred-Wegener-Institut Helmholz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

 

 „Was wir heute sehen ist, dass 2/3 aller Riffe durch lokale Bedrohungen wie Küstenbebauung, Einleitung von Nährstoffen und massive Überfischung bedroht sind. Das klingt zuerst einmal schlecht, doch das Gute daran ist, dass man diese Art von menschlichen Einflüssen im Gegensatz zum Klimawandel gut vor Ort managen kann. Das ist eine wichtige Botschaft, denn wenn man sich nur auf den Klimawandel konzentriert und quasi die Flinte ins Korn schmeißt nach dem Motto wir können doch eh nichts mehr tun, wäre das fatal. Lokale und globale Stressfaktoren wirken zusammen, und bei beiden gilt es anzusetzen."

Dr. Sebastian Ferse, Riffökologe und Executive Director von Future Earth Coasts

Klassiker

„Wenn der Ozean sein Wasser auf das breite Riff wirft, scheint er ein unbesiegbarer, allgewaltigerFeind, und doch sehen wir, dass ihm widerstanden und er selbst durch Mittel besiegt wird, die auf den ersten Anblick schwach und wirkungslos erscheinen. Der Ozean schont keineswegs den Korallenfelsen; die großen, über das Riff verstreuten und auf dem Ufer angehäuften Trümmer, zwischen denen die großen Kokosbäume wachsen, beweisen deutlich die unaufhörliche Gewalt seiner Wogen. Auch gibt es keine Periode der Ruhe. Die lange Dünung, die von der leisen, aber stetigen Wirkung des beständig in einer Richtung über eine ungeheure Fläche wehenden Passatwindes hervorgerufen wird, verursacht brandende Wogen, die an Heftigkeit selbst die unserer gemäßigten Zone übertreffen und die niemals zu rollen aufhören. Es ist unmöglich, diese Wellen zu sehen, ohne die Überzeugung zu bekommen, dass jede Insel, mag sie nun aus dem härtesten Felsen, aus Porphyr, Granit oder Quarz bestehen, am Ende nachgeben und von solchen unwiderstehlichen Kräften zerstört werden muss. Und doch stehen diese niedrigen, unbedeutenden Koralleninseln und gehen siegreich aus dem Kampf hervor; denn hier nimmt eine andere Kraft, als Gegensatz zu der ersteren, an dem Streite teil. Die organischen Kräfte scheiden die Atome des kohlensauren Kalkes nacheinander von den schäumenden Brechwogen und vereinigen sie zu einem symmetrischen Bau. Mag der Sturm die Masse in tausend große Trümmer zerbrechen, was will das heißen gegen die vereinte Arbeit von Myriaden von Architekten, die Tag und Nacht, Jahr ein Jahr aus, arbeiten. Ein weicher und gelatinter Körper eines Polypen besiegt durch die Wirkung der Lebensgesetze die große, mechanische Kraft der Wogen eines Ozeans, denen weder die Kunst der Menschen, noch die leblosen Werke der Natur mit Erfolg widerstehen konnten.“

Charles Darwin, aus seinem Werk die „Die wissenschaftliche Reise mit der Beagle“, Originalausgabe von 1839

 

„Denn wenn irgend ein Organ den Thierkörper als solchen legitimirt und in zweifelhaften Fällen den entscheidenden Beleg für die Thiernatur eines Organismus liefert, so ist es der Magen. Echte Pflanzen mit einem Magen gibt es nicht…“

Der deutsche Biologe Ernst Haeckel (1834 – 1919) über die Frage ob Korallen Tiere oder Pflanzen sind. Zitat aus: „Arabische Korallen, Ein Ausflug nach den Korallenbänken des Rothen Meeres und ein Blick in das Leben der Korallenthiere“, Populäre Vorlesung mit wissenschaftlichen Erläuterungen, Berlin, Georg Reimer 1876, Seite 5

 

„Korallenriffe sind genau wie Regenwälder Ökosysteme – nicht einfach nur eine Ansammlung von Arten, die gegeneinander einen Überlebenskampf führen – sondern Gruppen von Arten, die für ein gemeinsames Überleben zusammenarbeiten. Gewiss, Individuen konkurrieren, aber für Korallenriffe und Regenwälder gilt gleichermaßen, dass ein Level von Selektion existiert, das wichtiger ist als die Selektion von Arten. Aus Darwins Sicht könnte man es, Selektion des stärksten Ökosystems‘ nennen.“

J.E.N. Veron aus „A Reef in Time“, The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, 2008, Seite 29

 

„Alles in allem kann der Mensch vom Korallenriff viel lernen, über Recycling und die Kunst, in einer Welt mit knappen Ressourcen gut zu überleben – ein Hinweis darauf, eine bessere Symbiose mit den Pflanzen und Tieren, von denen wir abhängen, einzugehen.“

Der bedeutende amerikanische Ökologe Eugene P. Odum über seine Arbeiten und Erfahrungen, die er in den Korallenriffen des Bikini-Atolls gesammelt hat.